Gender Mainstreaming-Projekt
Projekttitel:
Entwicklung und Erprobung von Praxismodulen zur nachhaltigen Implementierung von Gender Mainstreaming in den kommunalen Bereichen Politik, Bildung und Weiterbildung, Umwelt und Kultur
Trägerschaft:
Volkshochschulverband Mecklenburg-Vorpommern e. V.
Beteiligte Volkshochschulen:
Volkshochschule der Hansestadt Greifswald, Volkshochschulschule der Hansestadt Rostock, Volkshochschule der Hansestadt Wismar
Projektzeitraum:
01. Oktober 2002 bis 30. September 2004
Gefördert:
mit Mitteln der Europäischen Union aus dem Europäischen Sozialfonds und dem Arbeitsmarkt- und Strukturentwicklungsprogramm (ASP) für Mecklenburg-Vorpommern
Zum Inhalt:
Das gemeinsam mit den Leiter/innen der beteiligten Volkshochschulen entwickelte integrative Konzept entwickelt erwies sich als tragfähig und umsetzbar. Integrativ bedeutete für uns von Anfang an, die Entwicklungen, Motive und Interessen der Organisation Volkshochschule sensibel wahrzunehmen und somit gleichsam im „Reißverschlussprinzip“ passgenau die Gender-Perspektive einzunehmen und einzufügen.
Im Zentrum der Implementierungsbemühungen an den Volkshochschulen als kommunalen Einrichtungen der Weiterbildung standen zunächst Praxisanalysen unter Gender-Sicht an den Volkshochschulen der Hansestädte Greifswald, Rostock und Wismar. Im Ergebnis konnten geschlechterdifferenzierte Daten und Aussagen für verschiedene Organisationsebenen (Teilnehmer/innen, Kursleiter/innen, Mitarbeiter/innen) und verschiedene Handlungsfelder (Rahmenbedingungen, Angebotsstruktur, Lehr-Lern-Prozess) der betreffenden Volkshochschulen gewonnen werden. Die Ergebnisse verdeutlichten u. a. die quantitative und qualitative Teilhabe bzw. Nicht-Teilhabe von Frauen und Männern am Weiterbildungsprozess sowie diesbezügliche soziale Potenziale. Die Daten und Aussagen trugen wesentlich zur Sensibilisierung vor allem der Leiter/innen sowie der Mitarbeiter/innen und Kursleiter/innen an den Volkshochschulen für die Gender-Perspektive bei. Auf der Grundlage der Gender-Analysen wurden Zielstellungen erarbeitet und Handlungsoptionen im Rahmen der Organisations- und Qualitätsentwicklungsprozesse abgeleitet.
Das hieß, die Sichtweisen und Lebenssituationen der Geschlechter bei der Wahrnehmung und Ausgestaltung des Bildungsauftrages an Volkshochschulen zu berücksichtigen. Damit wurde die Volkshochschule selbst zum Handlungsfeld von Gender Mainstreaming und zur Querschnittsaufgabe bei allen Entscheidungsprozessen.
Die Projektdurchführenden sahen die Chancen dieses Ansatzes in der
- Sensibilisierung für die Wahrnehmung der Gender-Perspektive
- Erarbeitung differenzierter Bildungsangebote unter Gender Mainstreaming-Aspekt
- Entwicklung von genderbezogenen Lehr- und Lernformen
- Initiierung entsprechender Organisations- und Qualitätsentwicklungsprozesse
- und damit letztlich in der stärkeren Profilierung von Volkshochschulen im Sinne von Geschlechtergerechtigkeit.
Im Projekt wurden folgende Praxismodule und Instrumentarien zur nachhaltigen Implementierung von Gender Mainstreaming entwickelt und teilweise erprobt:
Die Strategie des Gender Mainstreaming wurde bisher an zwei Volkshochschulen und bei der VHS-Verbandsgeschäftsstelle in den Qualitätsentwicklungsprozess nach LQW integriert und damit verbindlich festgeschrieben. Sie ist dort durchgängig in allen Qualitätsbereichen verankert und wird inhaltlich weiterentwickelt.
Die Entwicklung und Erprobung von drei Fragebögen unter Gender-Sicht und die durchgeführten Befragungen machten eine umfassende Bestandsaufnahme unter Gender-Gesichtspunkten an den Volkshochschulen der Hansestädte Greifswald, Rostock und Wismar möglich. Diese Instrumentarien eignen sich für einen Transfer in andere Bereiche der Bildung und Weiterbildung.
In Kooperation mit s-w-k Media wurde eine Online-Version der Teilnehmer/innen -Befragung erarbeitet und in einer Testphase erprobt. Dadurch ließen sich der Arbeitsaufwand bei der Durchführung und Auswertung einer solchen Befragung optimieren und die Chancen einer nachhaltige Nutzung wesentlich erhöhen.
Die im Projekt entwickelten und teilweise erprobten Gender-Checklisten für die Tätigkeit von Kursleiter/innen erwiesen sich als geeignete Instrumentarien, eine gendersensible Wahrnehmung zu entwickeln bzw. zu stärken sowie zur selbstkritischen Reflexion der eigenen Rolle als Kursleiter bzw. Kursleiterin im Bedingungs- und Beziehungsgefüge des Lehr- und Lernprozesses anzuregen.
Als Instrumentarium zur gendersensiblen Wahrnehmung im kulturellen Bereich entwickelten die Projektmitglieder eine Gender-Checkliste für die pädagogische Begleitung und Gestaltung von Ausstellungen, deren Anwendbarkeit für verschiedene Bereiche noch zu prüfen ist.
Mit den „Anregungen zur geschlechtergerechten Verwendung von Personenbezeichnungen“ wurde ein sehr praktisches Arbeitsmaterial entwickelt und erprobt, das verschiedene sprachliche Möglichkeiten aufzeigt, Gleichbehandlung von Männern und Frauen auch sprachlich sichtbar und hörbar zu machen.
Die im Projekt erarbeitete Fragebögen, Checklisten, Materialsammlungen, Dokumente und die Projektdokumentation wurden in einer Gender-Box zusammengestellt und der Geschäftsstelle des Volkshochschulverbandes Mecklenburg-Vorpommern e. V. übergeben und steht zur Nutzung für die Volkshochschulen und andere Bildungseinrichtungen zur Verfügung.
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